''10 Jahre Frauen in der Bundeswehr ist ein Erfolgsmodell!''
Rede zu Protokoll (Donnerstag, den 20. Okt. 2011)

Foto: CC by Bundeswehr-Fotos (via Flickr) Herr Präsident, meine Damen und Herren,
als vor über 10 Jahren die ersten Soldatinnen ihren Dienst in der Bundeswehr aufnahmen, markierte Ihr Antritt für manche der altgedienten Militärs den gefühlten Anfang vom Ende ihrer geliebten Bundeswehr.
Doch schon nach kurzer Zeit wurde deutlich, welche Bereicherung engagierte Frauen für die Bundeswehr sind. Mittlerweile leisten mehr als 17.000 Frauen ihren Dienst. Nicht nur wie vorher schon üblich bei den Sanitätern, sondern auch beim Heer, der Luftwaffe und der Marine, und sowohl im Inland als auch bei den Auslandseinsätzen tragen sie mit ihrer Arbeit zum Erfolg der Bundeswehr bei.
Aber die durchaus positiven Zahlen dürfen nicht den Blick auf die immer noch in Teilen vorherrschenden Problemlagen verstellen. Die Integration von Frauen ist noch längst nicht abgeschlossen, sondern sie ist ein langfristiger Prozess, der die Bundeswehr auch in den nächsten Jahren begleiten wird.
Die jährlichen Berichte des Wehrbeauftragen machen deutlich, dass im persönlichen Umgang innerhalb der Bundeswehr Soldatinnen mitunter nicht die verdiente Wertschätzung ihrer Arbeit erfahren. Teilweise sind sie Ausgrenzungen, Beleidigungen und in - Gott sei Dank - seltenen Fällen auch Belästigungen ausgesetzt. Diese Fälle müssen, wie in der Vergangenheit, auch in Zukunft konsequent aufgeklärt und verfolgt werden.
Mein Dank gilt den zivilen und militärischen Gleichstellungsbeauftragten, die dieses wichtige Thema immer wieder ansprechen und mit ihren Beratungsleistungen die Soldatinnen in ihrer täglichen Arbeit begleiten. Hervorzuheben ist auch das Engagement des Wehrbeauftragten, der sich des Themas in seinen jährlichen Berichten immer wieder annimmt und der Politik Handlungsbedarf aufzeigt.
Im Sommer habe ich die Marine in Eckernförde besucht und dort bewusst auch das Gespräch mit Soldatinnen gesucht.
Sie berichteten mir, dass Sie häufig eben nicht eine Sonderstellung aufgrund ihres Geschlechts einnehmen wollen. Sie verstehen sich als ein gleichberechtigter Teil ihrer Einheit. Für sie hat manche gutgemeinte Fördermaßnahme deshalb den gegenteiligen Effekt, weil sie sich dem Anschein einer Bevorzugung ausgesetzt sehen. Dies ist ohne Frage nur ein Ausschnitt aus einem breiten Meinungsspektrum, aber es zeigt, dass die Maßnahmen zur Förderungen mit Bedacht gewählt werden müssen, um eine echte und nachhaltige Integration zu ermöglichen.
Was hilft ist eben keine leere Symbol-Politik, wie sie die Grünen mit ihrem Antrag betreiben, sondern konkrete Maßnahmen, die die Bundeswehr als Arbeitgeber für Frauen attraktiver machen.
In vielen Studien wird als aktuell größte Herausforderung die Vereinbarkeit von Beruf und Familie genannt. An diesem Punkt setzen wir ganz konkret mit unseren reformbegleitenden Maßnahmen an.
In unserem gestern im Verteidigungsausschuss eingebrachten Antrag zum Haushalt 2012 machen wir deutlich, dass für uns das Ziel einer verbesserten Vereinbarkeit von Dienst und Familie kein Lippenbekenntnis ist, wir liefern hier.
Familienfreundlichkeit wird in Zukunft einer der wichtigsten Faktoren bei der Berufswahl junger Menschen sein. Dabei ist es entscheidend, dass die Unterstützungsangebote, wie beispielsweise die Kinderbetreuungsmöglichkeiten, sich an den realen Lebens- und Arbeitsbedingungen der Soldatinnen und Soldaten orientieren.
Ganz konkret realisieren wir das Pilotprojekt "Zu Hause in der Bundeswehr", bei dem neben attraktiven Wohnmöglichkeiten für die ganze Familie ein umfassendes Familienbetreuungsprogramm nebst Kindertageseinrichtungen und für Personal nach Einsatzrückkehr auch Erholungseinrichtungen angeboten werden soll.
Wir sorgen für eine elternfreundlichere Infrastruktur. Beispielsweise durch die Einrichtung von insgesamt 300 Eltern-Kind-Arbeitszimmern an über 170 Standorten und durch eine bessere materielle wie personelle Ausstattung des zuständigen Referates im Bundesministerium der Verteidigung.
Niemand soll in der Bundeswehr Benachteiligungen erfahren, weil er Kinder hat. Daher ermöglichen wir die Kostenübernahme für die Betreuung der Kinder von Soldatinnen und Soldaten, die an Fortbildungsmaßnahmen teilnehmen.
All das sind Maßnahmen, die nicht nur die Attraktivität der Bundeswehr als Arbeitgeber für Frauen steigert, sondern generell Soldaten mit Familienpflichten beiderlei Geschlechts zu Gute kommen.
Das Problem der auch aus meiner Sicht immer noch zu geringen Zahl an Frauen, die sich für einen Dienst in der Bundeswehr entscheiden, lösen wir deshalb auch nicht durch eine Veränderung der bestehenden Quote. Eine Quote kann immer nur als Marke für ein politisch gewilltes Ziel dienen, sie ersetzt jedoch niemals konkrete Maßnahmen, wie wir sie mit unseren reformbegleitenden Maßnahmen vorlegen.
Den laufenden Reformprozess nutzen wir als Chance, um das von uns gewünschte Ziel eines ausgewogeneren Geschlechterverhältnisses innerhalb Bundeswehr voranzubringen.
Es macht mich stolz, dass wir durch unsere liberale Regierungsbeteiligung nun erstmalig nicht mehr über einen Zwangsdienst nur für Männer als natürlichen Rekrutierungsweg für das Personal der Bundeswehr sprechen, sondern über die Ausgestaltung von Freiwilligkeit. Die Bundeswehr wird durch unsere Maßnahmen als Arbeitgeber so attraktiv, dass wir nicht mehr auf die Wehrpflicht angewiesen sind, sondern junge engagierte Frauen und Männer durch ein überzeugendes Angebot für den Dienst in der Bundeswehr begeistern.
10 Jahre Frauen in der Bundeswehr ist ein Erfolgsmodell!
Ein Erfolg nicht nur für die Frauen selbst, sondern für die Bundeswehr als Institution und unsere gesamte Gesellschaft. Auch Gutes kann immer noch besser werden. daran zu arbeiten, ist hier unser Auftrag, den wir geduldig und stets weiter verfolgen werden.









